Entscheidungshilfe · Kostenvergleich · Strategie

Make or Buy 3D-Druck: Wann lohnt sich eine eigene Drucklinie?

Eine Kalkulation mit allen Kostenblöcken, auch denen, die in Herstellerangeboten selten auftauchen. Dazu eine Entscheidungsmatrix, Faustregeln und die typischen Fehleinschätzungen beim ersten Insourcing.

Warum die Frage falsch gestellt wird

Make or Buy ist keine Einmalfrage.

Die meisten Unternehmen stellen die Make-or-Buy-Frage einmal und kaufen dann eine Maschine. Drei Monate später steht der Drucker im Weg, weil niemand Zeit hat, ihn zu betreiben, weil Materialeinkauf vergessen wurde, oder weil die erwarteten Use Cases sich als undurchführbar herausgestellt haben.

Make or Buy ist eine strukturierte Entscheidung, die Auslastung, Use-Case-Qualität, interne Kapazitäten und Total Cost of Ownership gegenüberstellt. Der Maschinenpreis und der Angebotspreis des Dienstleisters allein genügen als Vergleichsgrößen nicht.

Diese Seite zeigt die Entscheidungsmatrix, die wir in über 40 Beratungsprojekten mit produzierenden Unternehmen einsetzen.

Die häufigsten Fehler beim Insourcing

  • Personalkosten nicht eingeplant: Bedienung und Betrieb kosten Arbeitszeit
  • Auslastung überschätzt: 30% Auslastung ist typisch für Einstieg
  • Falsches Verfahren für den Use Case (FFF ≠ SLS ≠ Resin)
  • Kein Wartungsbudget eingeplant
  • Software und Integration ignoriert
Entscheidungsmatrix

Wann ist Make die richtige Antwort?

Bewerten Sie Ihren Use Case entlang dieser sieben Kriterien. Je mehr davon zutreffen, desto stärker spricht die Kalkulation für eigene Kapazität.

Hohe Wiederholrate

Mehr als 30–50 Druckjobs pro Monat machen Inhouse-Kapazität wirtschaftlich. Sporadischer Bedarf gehört zum Dienstleister.

Kurze Durchlaufzeiten

Prototypen innerhalb von 24 Stunden vertragen sich nicht mit der 5-Tage-Logistik eines Dienstleisters. Geschwindigkeit erzwingt Inhouse.

Schutz von IP & Daten

Wenn CAD-Daten von Kernprodukten das Haus nicht verlassen dürfen, fällt die Buy-Option weg. IP-Schutz ist ein klares Insourcing-Argument.

Iteratives Entwickeln

Produktentwicklung lebt von schnellen Iterationen. Wird täglich an Geometrien gefeilt und gedruckt, gehört der Drucker an den eigenen Standort.

Standardisierbare Teile

Vorrichtungen, Halter und Endeffektoren wiederholen sich und lassen sich standardisieren. Solche Teile eignen sich für interne Serienproduktion.

Skalierungsplan

Wer in 24 Monaten eine Drucklinie betreiben will, sollte heute intern Kompetenz aufbauen, bevor externes Know-how zum Engpass wird.

TCO-Vergleich

Was kostet 3D-Druck wirklich — Make vs. Buy?

Alle Zahlen basieren auf FFF-Druck mit Hochleistungsdruckern (Mittelklasse) vs. typischem deutschen FFF-Dienstleister.

Kostenblock Buy (Dienstleister) Make (Inhouse)
Druckpreis pro Stunde 3–12 € (ohne Handling) 0,40–0,80 € (Material)
Rüst- & Handlingkosten 15–40 € pro Auftrag 15–30 min Personal
Lieferzeit 2–7 Tage Druckzeit + 1h
Investition (5 Drucker) 35.000–60.000 €
Wartung p.a. (5 Drucker) 3.000–6.000 €
Break-Even (typisch) 14–24 Monate

Richtwerte auf Basis von FFF. SLS, MJF und andere Verfahren haben deutlich andere TCO-Profile.

Wenn Make die Antwort ist

Was nach der Kaufentscheidung kommt.

Der Kauf einer Maschine ist der einfachste Teil. Danach müssen Aufträge verwaltet, Druckfreigaben geregelt, Materialverbrauch erfasst und Auslastung ausgewertet werden.

Ab drei Druckern wird das ohne Software zur Vollzeitaufgabe. Ab fünf Maschinen ist ein Manufacturing Execution System Voraussetzung für wirtschaftlichen Betrieb.

leanAM begleitet Unternehmen bei der Make-or-Buy-Analyse, der Maschinenauswahl und dem Aufbau der Drucklinie. Was wir dabei empfehlen, haben wir vorher im eigenen Produktionsbetrieb durchgespielt.

Prozessberatung leanAM MES ansehen

Was leanAM in der Make-Phase liefert

  • Use-Case-Qualifizierung: Was mit AM machbar ist
  • Maschinenauswahl: Verfahren, Hersteller, Konfiguration
  • Business Case: Vollständige TCO-Kalkulation
  • MES-Implementierung: Software für Auftrag & Betrieb
  • Schulung: Bediener, QS, Prozessverantwortliche
FAQ

Häufige Fragen zur Make-or-Buy-Entscheidung

Ab wann lohnt sich eigener 3D-Druck?

Als Faustregel: Ab ca. 800–1.200 Druckstunden pro Jahr amortisiert sich ein professioneller FFF-Drucker. IP-Schutz, kurze Iterationszyklen und Skalierungspläne können das Insourcing früher rechtfertigen als die reine Kostenkalkulation.

Was kostet 3D-Druck beim externen Dienstleister?

FFF bei Dienstleistern liegt je nach Volumen zwischen 3 und 12 € pro Druckstunde (exkl. Handling). Industrielle SLS/MJF-Teile kosten oft 20–80 € pro Teil. Ab ca. 50 Druckjobs monatlich wird eigene Kapazität schnell günstiger.

Welche versteckten Kosten entstehen beim Insourcing?

Neben Maschinenkosten (4.000–20.000 € pro FFF-Drucker) entstehen Kosten für Material-Handling, Nachbearbeitung, Wartung (ca. 8–12% der Maschinenkosten p.a.), Software und Personalzeit für Bedienung und Qualitätsprüfung. Diese Posten gehören in jede Make-or-Buy-Kalkulation.